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Immobilien in Paraguay

Gerade für deutsche Einwanderer ist die eigene Immobilie, neben dem eigenen Auto, sicherlich das erstrebenswerteste Ziel. Hier stoßen die meisten gleich an drei große Probleme. Was man sich als Europäer kaum vorstellen kann, ist in Paraguay Realität, denn es gehören 90% der Fläche des Landes ganzen 1% der Bevölkerung. Dieses Problem ist zum großen Teil auf die riesigen Latifundien aus der Kolonialzeit, aber auch auf große Konzerne der Neuzeit, zurückzuführen. Oft sind auch riesige Gebiete in Familienbesitz, wie z.B. der Familie des derzeitigen Präsidenten Cartes, des zweitgrößten Steuerzahlers des Landes, mit seinen Tabakplantagen.
Der zweite Stolperstein ist das Mißverständnis von Besitz und Eigentum. Dies können ehemalige DDR-Bürger wohl am einfachsten nachvollziehen, da es hier damals ähnliche Verhältnisse gab. Es gibt in Paraguay ein Besitzrecht an Ländereien, deren Eigentümer ein anderer ist. Auch dies stammt aus früheren Zeiten, in denen es möglich war, Teile eines Landbesitzes zur Nutzung übereignet zu bekommen, obwohl der Eigentümer der gleiche blieb. Wir können dies vielleicht ansatzweise mit der Bauernlegung des 19. Jahrhunderts in Deutschland vergleichen.
Das dritte Problem sind die Deutschen unter sich - klingt lustig, ist es aber gar nicht. Deutsche Einwanderer haben neben dem Einwanderungshelfer auch den Job des Immobilienmaklers in Paraguay erfunden, zumindest für Privat-Immobilien. Hier mag es sicherlich auch richtig schwarze Schaafe geben, aber die meisten sind wohl eher als "grau" zu bezeichnen, denn sie betrügen definitiv nicht und trotzdem fühlen sich ihre Kunden später oft betrogen. Woran liegt das?

Grundstücksverkäufe finden in Paraguay so gut wie gar nicht über das Internet statt. Nahezu 100% aller im Internet angebotener Grundstücke werden entweder von Deutschen verkauft oder gemakelt. Die Preise sind dabei in den meisten Fällen weit unter den deutschen für vergleichbare Grundstücke oder Häuser. Der "Einwanderer" sieht so ein "Schnäppchen" und schlägt zu. Egal, ob er es vorher gesehen hat oder nicht, es wird fast immer der Beschreibung entsprechen. Nun vergeht einige Zeit, er lernt das Land und die Leute besser kennen - vielleicht auch dummerweise den früheren Besitzer - und irgendwann stellt der Einwanderer fest, daß er Haus und Grundstück auch für die Hälfte hätte bekommen können. Fazit davon ist, daß der Makler, der nichts als die Wahrheit gesagt hat, nun ein Betrüger ist. Klar sind 50% Provision nach deutschem Recht Wucher, aber wir sind hier in Paraguay.

Tips für den Grundstückskauf

Der wohl wichtigste Tip ist einfach "paciencia" - Geduld. Nicht umsonst heißen die Kunden eines Arztes so, einen Makler treiben solche Menschen zum Wahnsinn.
Der zweite gute Rat ist natürlich die Information vor Ort. Das muß nicht unbedingt eine Reise dorthin sein, es genügt eine wirklich vertrauenwürdige Person und die vielen "Luftansichten", die es heute gibt. Stellt man sich noch einige Bäume weniger auf dem Grundstück vor, hat man schon einen sehr guten Einblick, vorallem in die Nachbarschaft, was sehr wichtig ist.

Haus mit Pool

Konnte einen bis jetzt nichts abschrecken, sollte man unbedingt Karten lesen können oder einen guten Freund haben, der dies kann. Warum? Laut des paraguayischen Grundbuchamtes - Instituto Nacional de Desarrollo Rural y de la Tierra (INDERT) - beträgt die Fläche fast 150% der tatsächlichen Landesfläche - Hoppla! Das ist auf oben beschriebenes Problem zurückzuführen. Für einen Paraguayer ist es eben einfach wichtig, etwas nutzen zu dürfen, das Eigentum ist uninteressant. Aber keine Angst, anhand der Katasteramtlichen Eintragungen kann man das alles klären. Nun muß man noch rechnen können oder einen Vermesser kennen, denn die eingezeichneten Grundstücksgrenzen müssen keineswegs mit der Größe übereinstimmen. Vielleicht hilft es hier aber auch, die deutsche Pingeligkeit abzulegen und sich das Grundstück einfach so anzuschauen, wie es ist und danach den Wert festzulegen, anstatt sich den Quadratmeterpreis auszurechen.
Fazit ist, man braucht sich in Paraguay keine größeren Gedanken beim Grundstückskauf zu machen, als in Deutschland, nur etwas andere. Was in Deutschland die später geplante Autobahn an der Gartengrenze ist, ist in Paraguay die durch den Garten galoppierende Rinderheerde - beides nicht gerade angenehm und hier wie dort als böse Überraschung möglich.